Früher oder später trinken die meisten Kinder vom Fläschchen. Irgendwann ist es uns Eltern ein Anliegen, unseren Kindern die Flasche wieder abzugewöhnen. Das Problem: Unsere Kinder wollen das meistens nicht.
Um Kindern das Fläschchen abzugewöhnen, gibt es im Prinzip 3 Varianten:
Alle drei Wege haben Vor- und Nachteile. Diese werde ich Ihnen in diesem Artikel darlegen.
Zunächst müssen wir zwei Fläschchen unterscheiden:
Babys benötigen alle 2-4 Stunden Nahrung. Die meisten Babys (ca. 90 %) auch nachts. Das bleibt die ersten 3 - 4 Monate so. In dieser Zeit dient das Fläschchen oder die Brust als Grundnahrungsmittel. Es ist also nicht zu empfehlen, jetzt schon das Fläschchen abzusetzen. Aber auch danach können Babys nicht von einem Tag auf den andern Brei oder anderes essen. Sie müssen erst langsam an feste Nahrung herangeführt werden.
Ab dem 3. Monat hat sich allerdings auch für unsere Babys ein gewisser Rhythmus eingestellt. Da der Magen allerdings noch recht klein ist und vor allem Milchnahrung nicht sehr lange sättigt, ist es nicht ungewöhnlich, dass Babys in diesem Alter sich auf einen 3-6 Stunden Rhythmus eingewöhnt haben und nach dieser Zeit auch nachts trinken wollen oder auch müssen. Das heißt de facto für uns 2-3 mal Aufstehen in der Nacht.
Natürlich hängt es ein bisschen von der Definition der Nacht von uns Eltern ab. Meine ich die Zeit, in der ich als Mama schlafe oder die Zeit die mein Baby schläft? Ausschlaggebend ist jedenfalls die Mutterschlafzeit. Bei Flaschenernährung natürlich auch die Vaterschlafzeit.
Die Kunst ist also, die Phase des Tages, in der unsere Kinder mit weniger Milch auskommen auf die Nacht zu legen. Oftmals wird empfohlen, besonders sättigenden Gute Nacht Brei, also Grieß- oder Haferbrei am Abend zu füttern. Dieser sättigt deutlich länger, als andere Breie. Es empfiehlt sich jedoch nicht Ihr Kind extra zu wecken, um es nochmals zu füttern, bevor Sie selbst schlafen gehen. Das stört den Schlaf-Wachrhythmus und führt wahrscheinlich zu einem Schlafmangel bei Ihrem Kind.
Hier sehen Sie die Ergebnisse einer finnischen Studie zum Thema durchschlafen und Aufwachhäufigkeit in der Nacht.
Quelle: Finnish institute for health and welfare
Das hängt natürlich ganz von Ihrer persönlichen Einstellung ab. Auf jeden Fall ist es zu empfehlen, Kinder bis zum Ende des 3. Lebensjahres das Fläschchen nachts abzugewöhnen, da es schlecht für die Zähne ist und Kariesbildung verursachen kann.
Ein Thema, das hier auch sicher Bedacht werden sollte, ist der soziale Aspekt. Bekommen andere Kinder, vor allem im späten Kindergartenalter mit, dass ein Kind noch Fläschchen trinkt, kann das durchaus zu Hänseleien führen. Für Kinder ist Fläschchen trinken immer mit dem Begriff Baby assoziiert. Dementsprechend kann das Fläschchen dann durchaus zum Thema unter Kindern werden.
Natürlich ist das Fläschchen meist eine Art Ersatzbefriedigung für unsere Kinder. Sie holen sich durch das vertraute Nuckeln an der Flasche das Sicherheitsbedürfnis, das sie brauchen. Über die Zeit haben unsere Kinder gelernt, sich so selbst zu beruhigen und zu entspannen. Es gibt für Kinder aber noch viele andere Wege, um das zu erreichen.
Es liegt bei Ihnen als Eltern Ihren Kindern andere Verhaltensweisen beizubringen und diese mit ihnen einzuüben. Den richtigen Zeitpunkt wählen Sie. Es ist Ihre Aufgabe als Eltern Ihr Kind dahingehend zu unterstützen und die Entwicklung angepasster, altersgerechter Fähigkeiten zu fördern. Das hängt natürlich stark von Ihren familiären Umständen und von Ihrem Kind ab. Vertrauen Sie da ruhig auf sich selbst, als Experte für Ihr Kind, wann es gut passt oder wann der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen ist.
Die folgenden Tipps sollen Ihnen beim Abgewöhnen der Flasche behilflich sein:
Wählen Sie den ”richtigen” Zeitpunkt zum Abgewöhnen. Zeiten, in denen Ihr Kind erhöhtem Stress ausgesetzt ist, bieten sich nicht so gut an. Also, die Geburt eines Geschwisterchens, Eintritt in den Kindergarten oder in die Krippe.
Auch während familiäre Krisensituationen machen Sie es Ihrem Kind uns sich selbst unnötig schwer. In diesen Zeiten des Umbruchs sollten keine neuen großen Schritte eingeführt werden. So auch bei der Fläschchenabgewöhnung. Ihr Kind braucht die Sicherheit und die Entspannung. Wenn man so will, kann man auch sagen, für Ihr Kind ist das Fläschchen die Entspannungstechnik der Wahl.
Das soll natürlich nicht heißen, dass es das bleiben soll. Aber besser ist es, wenn Sie einen Zeitraum wählen, in dem Ihr Kind seinen stabilen, gewohnten Routinen nachgehen kann und es so kein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit und Ruhe hat.
Generell ist es für unsere Kinder wichtig, dass ihr Alltag durch Routinen und Gewohnheiten geprägt ist. Sie brauchen sichere Ankerpunkte im Alltag. Also Dinge, von denen sie genau wissen, was sie erwartet und wie sie ablaufen. Durch diese Gewissheit erfahren sie ein Sicherheitsgefühl. Und das ist, wie schon erwähnt, ein Grundbedürfnis. Diese Routinen müssen sich aber erst entwickeln und bewähren.
Sie müssen von unseren Kindern auch als Methode entdeckt werden, um sich zu beruhigen und zu entspannen. Je früher Sie damit anfangen, desto besser für Ihr Kind. Genau diese Routinen können Sie dann auch zum Abgewöhnen des Fläschchens nutzen. Sie dienen der Flasche als Ersatz.
Versuchen Sie das so auch in Ihren Alltag während der Abgewöhnungsphase einfließen zu lassen. Also ersetzten Sie die Zeit, in der Ihr Kind normalerweise die Flasche getrunken hat mit anderen vertrauten Gewohnheiten, wie vorlesen, singen, kuscheln oder was auch immer Ihr Kind gerne tut und es beruhigt.
Mehr Tipps zum Thema Routinen für Kinder habe ich hier in einem Artikel für Sie zusammengefasst.
Naja, wie Sie wahrscheinlich schon vermuten, wird das Fläschchen bei der harten Tour einfach abgeschafft.
Am besten Sie legen für sich einen Zeitpunkt fest, ab wann Sie Ihrem Kind das Fläschchen nicht mehr geben.
Bei dieser Methode ist es dennoch ratsam:
Der Vorteil bei dieser Methode ist sicherlich, dass es schneller geht und das Thema wahrscheinlich innerhalb weniger Tage abgehakt ist.
Der Nachteil ist, dass Ihr Kind sicherlich danach öfter fragen wird und womöglich traurig oder wütend wird, weil es das Fläschchen nicht haben kann.
Es ist wichtig, Ihr Kind dabei zu trösten, vielleicht auch abzulenken, aber auch die Notwendigkeit hervorzuheben.
Diese Methode beruht auf langsames Verringern der Fläschchenverfügbarkeit. Das heißt, Sie können dabei bei zwei Aspekten ansetzen:
Der Vorteil ist, dass sich Ihr Kind langsam an immer weniger gewöhnt und so auch sich nach und nach Ersatz suchen kann und andere Möglichkeiten entdecken kann, wie es zu Ruhe kommen kann. Generell stößt diese Methode natürlich auch auf weniger Widerstand bei unseren Kindern.
Der Nachteil ist eindeutig, dass sich das wahrscheinlich über mehrere Wochen steckt.
Von vielen Eltern gelobt ist auch die Verdünnung des Fläschcheninhalts. Je nachdem was Sie einfüllen, können Sie das auch mit mehr Wasseranteil zubereiten oder einfach die Milch oder ähnliches mit Wasser immer mehr verdünnen. Oder gar nur Wasser einfüllen. Viele Kinder hören dann einfach mit dem Fläschchen ”von selbst” auf, weil es Ihnen nicht schmeckt oder nehmen nur wenige Züge.
Der Vorteil besteht darin, dass die Zähne zumindest durch die Milch oder was auch immer Sie in das Fläschchen füllen nicht geschädigt wird.
Nachteilig ist, dass Ihr Kind wahrscheinlich den Unterschied bemerkt und Sie erst recht auf Widerstand stoßen. Aber Sie können sich auch darauf vorbereiten und schon mal überlegen, wie Sie in solch einer Situation reagieren wollen.
Besonders die Flasche in der Nacht ist für viel Eltern, mich eingeschlossen, ein Schlafkiller. Ab dem 6. Monat brauchen unsere Kinder eigentlich keine Nahrung mehr in der Nacht. Sie halten es nun schon länger ohne Nahrungszufuhr aus. Aber es hat sich natürlich auch die Gewohnheit eingeschlichen. Unsere Babys mögen das Nuckeln und den Geschmack sehr gerne. Wie schon mehrfach erwähnt, beruhigt es sie.
Sie können natürlich auch alle oben genannten Methoden ohne Probleme auf die Nachtflasche umlegen.
Ein wichtiger Tip der Ihnen vieles erleichtert:
Hier ist es besser, wenn auch Sie auf andere Mitteln zurückgreifen, um Ihr Kind wieder in den Schlaf zu begleiten. Kurz die Hand auflegen, ein kurzes Liedchen, ein Mobile oder anderes was Ihr Kind beruhig und vor allem was Ihrem Kind vielleicht dabei hilft, sich später mal selbst zu beruhigen.
Fläschchen und Schnuller sind sehr beliebte Einschlafhilfen. Das rhythmische nuckeln wirkt auf unsere Kinder beruhigen und sie fallen so leichter und schneller in den Schlaf.
In diesem fall ist es natürlich besonders hart, die Abgewöhnungsphase anzufangen. Ihr Kind wird nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit dagegen protestieren. Und weil unsere Kinder am Abend müde sind und die Kontrolle ihrer Gefühle ohnehin noch in Ausbildung ist, kann das gerade am Abend vor dem Einschlafen zu großen Wut und oder Weinanfällen führen.
Wenn Ihr Kind alt genug ist um es zu verstehen, also ab Kindergartenalter würde ich sagen, können Sie zusätzlich zu den obigen Methoden gerade am Abend versuchen eine gemeinsame Ersatzhandlung auszutüfteln.
Also: ”Das Fläschchen lassen wir jetzt weg, aber was haltest du davon, wenn ich eine kleine Extrageschichte lese” oder natürliche andere Extras. Sie können Ihr Kind auch frei Vorschläge machen lassen, die Sie dann, wenn sie beide diese als passend betrachten gemeinsam beschließen. Sie können auch stattdessen kleine Zugeständnisse an Ihr Kind machen. Also etwas erlauben, was es bisher nicht durfte, aber eigentlich nicht von großer Wichtigkeit für Sie, für Ihr Kind jedoch schon, ist.
Also zum Beispiel: der Lieblingstraktor oder die Lieblingspuppe darf nun mit ins Bett genommen werden, als Ersatz zum Fläschchen trinken. Oder: es gibt ab jetzt ein extra Nachtlicht oder das Bett wird neu gestaltet mit einem kleinen Betttunnel. Alles, was Ihr Kind schon immer mal wollte, in Verbindung mit schlafen gehen, und Sie aber noch nicht erlaubt haben kommt hierbei infrage.
Verhaltensänderungen umzusetzen ist zwar durchaus anstrengend und erfordert eine gewisse Beherrschung, allerdings wäre eine Belohnung für alltägliches eher unangebracht. Loben passt da schon besser, allerdings rufen Sie in diesem Fall immer wieder die Erinnerung an das Fläschchen wach, was natürlich auch vom Nachteil ist.
Die Abgewöhnung der Flasche kann von uns Eltern frei gestaltet werden, sollte aber natürlich in Abstimmung mit den Vorlieben und auch Temperament unserer Kinder erfolgen, damit wir es unseren Kindern und uns nicht unnötig schwer machen. Spielen Sie die Situation einfach einmal im Kopf durch wie der erste Tag, der erste Abend oder die erste Nacht womöglich laufen könnte, wenn Sie diese oder jene Methode wählen. Dann entscheiden Sie sich für die Möglichkeit, die für Sie und Ihr Kind am passendsten scheint und versuchen es einfach mal, wenn der Zeitpunkt für Sie richtig erscheint.
Sie müssen sich vor allem auch wohl mit der Entscheidung fühlen, da Sie Ihrem Kind beistehen müssen und es authentisch bei der Abgewöhnung begleiten sollten. Das heißt, wenn Sie selbst Zweifel daran haben, werden Sie die Notwendigkeit Ihrem Kind auch nicht überzeugend vermitteln können und etwaige Widerstände aushalten können.