Für viele Eltern stellt sich die Frage: Ist der Kindergarten wichtig? Warum brauchen wir den Kindergarten? Es ist gut und wichtig zu überlegen.
In dieser Grafik sehen Sie die großen Bildungsziele des Kindergartens. Natürlich sind es gemeinsame Ziele. Wir Eltern bilden den Grundstock der vom Kindergarten vertieft, ergänz und ausgebaut werden kann.
Eine große Gruppe anderer Kinder stellt unsere Kinder vor neue Herausforderungen. Es ist wesentlich lauter, es gibt Gruppenregeln, es herrscht ständiges Gewusel. Unsere Kinder können so lernen sich in großen Gruppen selbst zurückzunehmen oder auch durchzusetzen. Je nach Bedarf.
Meist ist der Kindergarten die erste Zeit, in der sich unsere Kinder ihre sozialen Kontakte selbst aussuchen können. Abgesehen von gelegentlichen Spielpartner am Spielplatz sind sie meist an die Nachbarschaft bzw. an den Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis der Eltern gebunden. Nun können sie das erste Mal selbst ”wählen”, auch wenn es nur innerhalb der Kindergartengruppe ist.
In der Freizeit sind die anderen Kinder oftmals Freunde oder bekannte Kinder. Jedenfalls sind es meistens Kinder die unsere Kinder mögen. Selten treffen unsere Kinder andere die sie nicht mögen oder zumindest treffen wir diese nicht lange. Es fällt unseren Kindern leicht, solchen Kontakten aus dem Weg zu gehen. Das ist im privaten Umfeld auch normal und gut so.
Im Kindergarten allerdings lernen unsere Kinder auch mit jenen Kinder umzugehen die sie nicht so mögen. Da kann es auch sein, dass sie diesen Kindern aus dem Weg zu gehen. Ganz meiden können sie diese aber nicht. Also finden sie Wege und Möglichkeiten mit den Kindern die sie nicht mögen umzugehen und mit ihnen in einer Gruppe zu sein, ohne dass es ständig zu Streit und Rangeleien kommt.
Im Kindergarten wird es immer wieder mal zu Streitigkeiten, Auseinandersetzungen oder gar Rangeleien kommen. Ihr Kind lernt im Kindergarten, seine Streitigkeiten auch mal selbst zu schlichten oder zu regeln. Ganz ohne Hilfe von Erwachsenen.
Natürlich will ich nicht abstreiten, dass dies auch zu Hause der Fall ist. Allerdings kommen unsere Kinder im Kindergarten wesentlich häufiger in diese Situation. Sie lernen ihre Grenzen und die anderer besser kennen und darauf zu achten.
Auch die Autonomie ist ein Bereich, der sowohl zu Hause als auch im Kindergarten geübt und vertieft wird. Durch die große Gruppe ist Ihr Kind im Kindergarten aber eher dazu geneigt, Dinge selbst auszuprobieren und zu erledigen. Sei es weil sie nicht warten wollen bis ein Erwachsener Zeit für sie hat oder weil andere Kinder es auch selber machen.
Ein Kind macht es vor und alle anderen nach. Gerade in der Anfangszeit ist es für unsere Kinder natürlich eine große Verlockung der gerne nachgegeben wird. Mit der Zeit lernen sich unsere Kinder allerdings zurückzunehmen und vom Verhalten anderer Kinder abzugrenzen. Das heißt, sie fangen an für sich selbst zu überlegen ob es für sie gerade passt mitzumachen oder vielleicht auch es lieber bleiben zu lassen.
Wenn Mama und Papa nicht griffbereit sind, sind unsere Kinder eher dazu geneigt länger selbst ein anstehendes Problem zu bearbeiten und nach Alternativen zu suchen. Auch wenn wir Eltern dass fördern, tut es unseren Kindern beim Problem lösen gut, wenn wir nicht immer abrufbar sind.
Kinder lernen schneller und leichter wenn sie andere Kinder bei etwas beobachten. Beobachtung ist generell ein wichtiger Faktor beim Lernen, aber gerade das Beobachten anderer Kinder motiviert unsere Kinder. Andere Kinder sind oftmals viel interessanter zu beobachten als Erwachsene.
Aber gerade bei Bewegung und Sprache können unsere Kinder von anderen Kinder leichter lernen. Im Kindergarten gibt es einfach ungleich mehr Möglichkeiten zur Beobachtung als in der Freizeit.
Durch die Vielzahl unterschiedlicher Menschen, unterschiedlicher Herkünften, aber auch durch die verschiedenen Tätigkeiten und Materialien die im Kindergarten unseren Kindern zur Verfügung stehen. Materialien alleine machen es natürlich nicht aus. Aber in Kombination mit den anderen Kinder und auch mit den Pädagogen ergeben sich unzählig viele neue Möglichkeiten und Situationen die unsere Kinder beobachten, lernen und erfahren können.
Tagesstrukturen und Routinen geben unseren Kindern Sicherheit. Natürlich ist das hauptsächlich durch uns Eltern gegeben. Aber manchmal kommt es hektischen und krisenhaften Situationen zu Hause. Da ist es natürlich eine große Hilfe wenn unsere Kinder einen Anker auch außerhalb der Familie haben.
Teilen lernen ist ein Punkt, der zu Hause anfängt und in großen Gruppen perfektioniert werden kann. Unsere Kinder können im Kindergarten gut üben mit mehreren Kinder zu teilen und erleben auch dass mit ihnen geteilt wird.
Aber sie lernen auch Nein zu sagen und nur zu teilen wenn sie wollen. Aber auch nicht mit allen zu teilen und vor allem das auch den anderen ”richtig” zu kommunizieren. Das ist ein ganz wichtiger Punkt im Umgang mit einer Gruppe.
Empathie, also das Einfühlen in andere und das Verstehen von Gefühlen anderer ist für unsere Kinder ungemein wichtig. Es muss aber wie vieles von unseren Kindern erst gelernt und geübt werden. Gerade im Kindergartenalter machen unsere Kinder hier wesentliche Fortschritte.
Im Kindergarten bieten sich natürlich sehr viele Möglichkeiten Gefühle anderer zu beobachten, aber auch die Reaktion aller anderen darauf. Aus dieser Kombination picken sich unsere Kinder jene die ihnen gut erscheinen heraus und probieren sie dann auch aus. Da gibt es besonders im Kindergarten viele Möglichkeiten dazu.
Der Punkt objektive Sichtweise betrifft vor allem uns Eltern. Natürlich finden wir unsere Kinder unglaublich toll. Auch Onkeln, Tanten, Omas, Opas sehen das so. Selbst wenn wir uns bemühen, ein bisschen eingefärbt von Liebe ist unser Blick natürlich immer.
Durch die Kindergartenpädagogen/-pädagoginnen haben wir als Eltern die Möglichkeit, dass wir uns eine objektive Blickwinkel holen. Also, was kann mein Kind gut oder wo braucht es vielleicht noch etwas mehr Unterstützung. Außerdem können erfahrene Kindergartenpädagogen oft gute Tipps in solchen Belangen geben.
Ich finde den Kindergarten aus psychologischer Sicht sehr wertvoll. Unsere Kinder sind dort gut und sicher aufgehoben. Heutige Kindergärten verstehen sich oftmals als Bildungsinstitution, jedoch ohne dem Druck ein bestimmtes Lernstoffziel erreichen zu müssen. Sie könne unsere Kinder dort abholen und unterstützen wo sie es brauchen.
Keine Frage, das wird auch von uns Eltern geleistet. Allerdings haben wir zu Hause selten die Möglichkeit, dass sich unsere Kinder in einer Gruppe sind. Diese Gruppendynamik mit all seinen Vorteilen aber auch Nachteilen ist besonders wichtig für unsere Kinder.
Ab dem Schuleintritt sind unsere Kinder beinahe täglich in Gruppen. Es ist dadurch wichtig, dass sie rechtzeitig lernen sich in einer Gruppe einzufügen und vorab lernen, wie sie in Gruppen agieren können. Der Schuleintritt ist ohnehin schon herausfordernd genug. Noch dazu hat Ihr Kind dann den Vorteil, dass es schon einige Kinder kennt. So lebt sich Ihr Kind leichter in die Schule ein und es steht dem (Lern-)Spaß nichts im Weg.
Die Bildungspläne für Kindergärten finden sie hier:
Österreich https://www.noe.gv.at/noe/Kinderbetreuung/BP1_Rahmenplan_Oesterreich.pdf
Deutschland (nach Bundesland) https://www.bildungsserver.de/Bildungsplaene-fuer-Kitas-2027-de.html