Wut ist ein nicht gern gesehener Begleiter in unserem Alltag. Gerade bei unseren Kindern erleben wir die Wut oft als besonders belastend. Einerseits tun sie uns leid, weil anscheinend etwas nicht stimmt und andererseits machen uns Wutanfälle manchmal hilflos und selbst ärgerlich.
Auch der Umgang mit Wut kann aber geübt werden. Wie Sie das angehen können und wie Sie mit Ihrem Kind über Wut sprechen und erklären können habe ich in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.
Wut ist eine Grundemotion. Wut wird durch Enttäuschungen, Frustration oder auch Hilflosigkeit ausgelöst. Wenn wir die unserer Kinder die gesetzten Ziele nicht erreichen, Wünsche nicht wahr werden oder auch Bedürfnisse nicht erfüllt sind, kommt eine Emotion zum Vorschein. Das kann Wut sein, aber auch Trauer oder Niedergeschlagenheit.
Wut ist also zuallererst einmal nur ein Ausdruck, dass irgendetwas nicht so gelaufen ist wie sich das unsere Kinder gewünscht oder erhofft haben. In der Trotzphase ist es zum Beispiel ganz oft Ausdruck von Frustration, weil unsere Kinder das Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Autonomie nicht so ausleben können wie sie das gerne möchten, bzw. können.
Wütend zu sein wird von uns oft als „schlecht“ oder „falsch“ empfunden. Ist es aber tatsächlich nicht. Es ist eine Emotion die, rausmuss, allerdings nicht unkontrolliert und zerstörerisch, sondern in angepasster Art und Weise so das Ihr Kind selbst und niemand anderer Schaden nimmt. Auch Sie nicht!
Hier habe ich ein kurzes Beispiel zusammengeschrieben, wie Sie Ihrem Kind Wut erklären können.
“Wut ist ein Gefühl. Wenn wir wütend sind, ärgern wir uns über etwas. Das Ärgern spüren wir im Bauch oder in der Brust oder auch im ganzen Körper. Du kannst dich über dich selbst ärgern, über andere oder über Sachen. Meistens ärgern wir Menschen uns, weil wir etwas nicht geschafft oder bekommen haben, was wir unbedingt wollten. Oder weil wir oder wer anderer was getan hat, was uns gar nicht gefällt. Wütend sein und sich ärgern ist okay. Du darfst es sagen, dass du wütend bist, schreien, aufstampfen oder auch weggehen. Jemand anderen oder dir selber weh tun ist allerdings nicht in Ordnung, auch wenn man sich ärgert.“
Hier hab ich auch ein Video gefunden, in dem es auf lustige Art vom Krümelmonster erklärt wird, falls sie es so versuchen möchten:
Egal mit welchen Worten Sie Ihrem Kind Wut erklären, wichtig dabei ist:
Bei Wutanfällen unserer Kinder ist es besonders wichtig, dass:
Die Grenze zur Normalität ist auch hier natürlich schwierig zu ziehen. Schließlich muss auch der Umgang mit Wut von unseren Kindern erst gelernt werden. Erst mit ca. 6 Jahren beherrschen unsere Kinder die Emotionsregulation.
Sollte Ihr Kind allerdings häufig sich selbst oder andere bei Wutanfällen verletzen ist es hier ratsam, sich auch schon mal frühzeit bei Ihrem Kinderarzt oder Diplompsychologen zu erkundigen.
In den Diagnosemanualen wird darauf hingewiesen, dass das aggressive und aufsässige Verhalten, das altersgemäßen sozialen Verhalten übersteigt. Das heißt, wenn Kinder besonders aggressiv und aufsässig sind und das nicht normales Trotzverhalten oder noch nicht ausgereifte Gefühlskontrolle zu erklären ist.
Außerdem ist es ein Anhaltspunkt, wenn das Verhalten länger als 6 Monate zu beobachten ist. Natürlich sind auch Kindergärtner(-innen) und Lehrer(-innen) oft eine guter, halbwegs objektiver, Anhaltspunkt für Verhaltensauffälligkeiten.
Sollte Ihr Kind sich schwertun beim Erlernen der Kontrolle von Wut, ist es durchaus sinnvoll sich von außen Hilfe zu holen.
Wut Rituale sind eine schöne Methode um in solchen emotionalen Situationen die Kontrolle über sein Verhalten nicht zu verlieren. Es sind kleine Rituale, die wir und/oder unsere Kinder machen sollen, wenn sie wütend sind, um sich zu beruhigen.
Am besten Sie fangen solche Wut Rituale so früh wie möglich mit Ihren Kindern an einzuüben, dann sind diese auch viel leichter für sie abrufbar, weil sie einfach ein Teil der Emotion sind.
Wichtig ist sich ein Ritual zu überlegen, das gut zu Ihrem Kind und sein Verhalten passt. Ab 2 Jahren ungefähr können Sie Ihr Kind natürlich super in die Auswahl miteinbeziehen. Wenn Sie ein Ritual festgelegt haben ist es wichtig, es mit Ihrem Kind gemeinsam einzuüben. Am besten in jeder Situation in der es sich offensichtlich ärgert.
Sie können zum Beispiel:
Alles was Ihrem Kind hilft seinen Ärger auszudrücken und die Wut rauslässt ohne sich und andere zu verletzen ist hier erlaubt. Je öfter Sie es schaffen, diese Rituale mit Ihrem Kind in einer Wutsituation zu machen, desto schneller wird es das Ritual selbstständig machen, wenn es sich ärgert.
Natürlich können solche Rituale immer erweitert werden und dem Alter angepasst werden. Wichtig ist einfache Verhaltensweisen zu wählen, die dem Naturell Ihres Kindes entsprechen. Also laute Kinder werden eher ein lautes Brummen oder ein „Nein“ rufen umsetzen können und zurückhaltende Kinder eher sich umdrehen und weggehen.
Probieren Sie es einfach aus, was für Ihr Kind am besten funktioniert. Bei welcher Reaktion es sich am besten beruhigt und versuchen Sie das dann als Ritual so oft wie möglich bei Wut auszuführen.
Mehr Informationen rund um Rituale und warum Sie wichtig sind, habe ich hier für Sie zusammengefasst.
Wut sollte nicht unterdrückt werden. Auch wenn es nicht eine so beliebte Emotion bei vielen von uns ist wie Freude zum Beispiel, ist es doch wichtig und völlig in Ordnung wütend zu sein.
Wir sollten unsere Kinder auch bei dem Gefühl der Wut ernst nehmen. Wut und Ärger muss raus, sonst können ganz andere schwerwiegende Probleme die Folge sein. Allerdings gibt es auch dafür Grenzen, die nicht überschritten werden sollten. Und es liegt in unserer Verantwortung, als Eltern unseren Kindern diese Grenzen aufzuzeigen und beizubringen. Aber natürlich auch, ihnen den „richtigem“ Umgang mit Wut beizubringen und sie im Lernprozess zu unterstützen. Das kann zum Beispiel sein durch:
Den Umgang mit Wut zu üben ist sehr wichtig. Die Verhaltensweisen müssen unseren Kindern sehr gut bekannt sein und wirklich „sitzen“. Gerade wenn unsere Kinder von ihren Gefühlen überrannt werden, können sie nämlich nicht bewusst drüber nachdenken, was jetzt angebracht wäre und was nicht.
Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich unsere Kinder beim Umgang mit Wut zu unterstützen und ihnen immer wieder passende Wege und Verhaltensweisen aufzuzeigen und einzuüben.
Zwischendurch können Sie immer wieder in Rollenspielen mit Spielzeug das Thema Wut einbinden oder in Geschichten, das Thema aufgreifen. Es gibt natürlich auch tolle Bücher dazu, wenn Sie selbst sich nicht so gerne Geschichten ausdenken.
Wichtig dabei ist auch, die Gefühle unserer Kinder zu benennen. Dadurch lernen unsere Kinder, wie es sich anfühlt wütend zu sein und mit Zeit können sie so sich auch besser darüber mitteilen und merken rechtzeitig, was mit ihnen passiert.
Das ist wichtig, denn unsere Kinder müssen wissen und lernen, wie es sich anfühlt wütend zu sein damit sie etwas dagegen tun können und von ihren Gefühlen nicht einfach überrascht werden. Mit unserer Hilfe und das Benennen der Gefühle, die sie gerade durchleben, gelingt ihnen das leichter.
Für interessierte Leser habe ich hier noch weiterführende Literatur, die sich vor allem für Pädagogen eignen:
Wenn Sie für Kindergarten oder Schule Spielideen benötigen, die den Kindern es erleichtern, mit Wut umzugehen, habe ich hier auf flakenflitzer.de viele schöne Spielideen für Sie gefunden.
Ganz viele Spiele und Übungen für Kinder ab 3 sind in dieser Arbeit der Uni Koblenz zum Thema Übungen zur Emotionsregulation zu finden.